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Die Telgter Wallfahrt im 17. Jahrhundert


Mit dem Beginn des 17. Jahrhunderts und der beginnenden katholischen Konfessionalisierung wandelte sich die lokale Telgter Marienverehrung zur regionalen Marienwallfahrt. Bestimmend für das neue Gesicht wurde der gemeinsame Gang der Gläubigen zum Wallfahrtsort. Eine solche Prozession ermöglichte gegenüber der bis dahin üblichen Einzelpilgerschaft die religiöse und organisatorische Lenkung größerer Men­schenmassen im Sinn der Gegenreformation.


Erstmals führten im Jahr 1609 die münsterschen Jesuiten mit den rund 300 Schülern ihres Gymnasiums eine Wallfahrt nach Telgte durch – die erste Wallfahrtsprozession im Bistum Münster überhaupt. Weil aber wohl die Andachtsmöglichkeiten in der damals zu kleinen Kapelle auf dem Telgter Kirchhof nicht ausreichten, stellten die Jesuiten ihre Initiative nach einigen Jahren wieder ein. Ihre Wallfahrtsprozessionen nach Telgte wurden aber beispielhaft.

1651 nahmen die Franziskaner das Heft in die Hand und ließen sich vom Bischof mit der Durchführung von Wallfahrtsprozessionen von Münster und Warendorf nach Telgte beauftragen. 1654 folgten die Dominikaner in Münster. An diesen Initiativen waren die Telgter Bürgerschaft und die Geistlichkeit allerdings nicht beteiligt – für sie muß es sich dabei um einen auswärtigen Zugriff auf ihren lokalen Marienkult gehandelt haben.

Für die Ordensgemeinschaften waren Liturgie und Seelsorge bei den Wallfahrten von herausragender Bedeutung. Die Wallfahrer nahmen an einer Messfeier teil, hörten eine Predigt, beichteten, kommunizierten und verrichteten ihre Andacht vor dem Gnadenbild.


Die Telgter Wallfahrt im 18. Jahrhundert

Weitreichende Folgen für die Telgter Wallfahrt hatte 1701 der Befehl des Fürstbischofs Friedrich Christian von Plettenberg an die Pastoren des Münsterlandes, die gegebenenfalls üblichen Wallfahrten zum niederrheinischen Marienwallfahrtsort Kevelaer, im Nachbarbistum Roermond gelegen, einzustellen und künftig Prozessionen nach Telgte abzuhalten. Davon waren vornehmlich westmünsterländische Gemeinden betroffen. 1704 besuchten Wallfahrtsprozessionen aus 26 Orten Telgte, das zum Hauptwallfahrtsort des Bistums gediehen war.


Eine Wallfahrt bedeutete für die Landbevölkerung, deren Bewegungs- und Erfahrungsradius damals in aller Regel im Bereich des eigenen Kirchturms blieb, eine außergewöhnliche, vielleicht nur einmal im Jahr unternommene Reise und die Begegnung mit der Fremde und unbekannten Menschen. Eine Wallfahrt kostet trotz des – für heutige Verhältnisse – kleinen durchmessenen Raumes viel Zeit, weil sich die Wallfahrt zu Fuß und häufig auf schlechten Wegen und Straßen vollzog. In der Prozession ließen sich die Widrigkeiten leichter meistern. Und die Begegnungen mit anderen Menschen und das gemeinsame fromme Erlebnis bereicherten jedenfalls. Viele spätere Ehepaare lernten sich auf einer Wallfahrt kennen.


Die Telgter Kirchengemeinde St. Clemens und die gesamte Stadt erfuhren durch die Wallfahrten einen außerordentlichen Gewinn in wirtschaftlicher, sozialer und religiöser Hinsicht. Telgte war zu einer weitbekannten Wallfahrtsstadt geworden, in der sich die Einwohner für die Wallfahrt stark machten, die auswärtigen Prozessionen zeremoniell einholten und verabschiedeten, die Fremden gastlich bewirteten und sogar beherbergten und ihnen Möglichkeiten zum Einkauf boten.

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