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Muttergottes von Telgte

Das bekannte Bild unserer „Schmerzhaften Mutter von Telgte“ gehört zu den frühesten Darstellungen dieser Art, die gerade im norddeutschen Raum aufkamen.

Es ist nicht schön und einladend, dieses Bild; und doch, es geht uns nahe und strahlt menschliche Wärme aus. Durch Jahrhunderte hat es den Menschen angespro­chen, durch Jahrhunderte haben Menschen versucht, vor diesem Bild eine Antwort des Glaubens zu geben.

Für glaubende Menschen wurde dieses Bild geschaffen; betende Menschen haben es verstanden und verstehen es.

Wie ein Kind auf den Knien seiner Mutter sitzt, so ist der Leichnam Jesu auf den Schoß seiner Mutter ge­legt; er ist dorthin zurückgekehrt, wo sein mensch­liches Leben angefangen hat. 
Der Kreis seines Lebens hat sich geschlossen. – Doch welcher Weg liegt dazwischen!

Was die Mutter in Händen hält, ist nicht mehr das Kind, das sich an ihr birgt und sich an sie schmiegt; ihre Liebe erhält keine Antwort. Eckig-hart, vom Leiden gebrochen, liegt der Leichnam des Sohnes auf ihren Knien. Die Todesstarre zeichnet seinen Körper. Abweisend streckt sich seine Hand aus. Der Kopf ist hart nach hinten geschlagen. Er sieht die Mutter nicht mehr. Die Mutter weiß um die Einsamkeit: Ihr Blick geht über ihn hinweg – nach innen? – in die Wei­te? Er hat ausgelitten; seine Gesichtszüge zeigen Ruhe; sie sind fast friedlich. Dafür spiegelt sich um so tiefer der Schmerz im Angesicht der Mutter. Obwohl sie den Sohn in den Armen hält, ist sie allein in der Trauer. – Trauer, Schmerz – macht einsam.

Der Blick der Mutter ist nach innen gekehrt, suchend, fragend nach der Antwort, die er nicht mehr gibt. In diesem Blick sammeln sich all die Fragen ihres Le­bens. Denn dieses Leid der Mutter beginnt nicht erst hier. Von Anfang an ist ihr Kind der abgelehnte und verfolgte Messias, der in eine verständnislose und feindliche Welt eingekehrt ist: das Zeichen, dem widersprochen wird.

Von Anfang an war das Geheimnis ihres Sohnes die Probe ihres Glaubens: Bei seiner Empfängnis – „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ Seine Geburt in Armut – seine Flucht nach Ägypten! Bei der Suche in Jerusalem: „Warum habt ihr mich ge­sucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist? Sie aber verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sprach.“

Am Beginn seines öffentlichen Lebens auf der Hochzeit zu Kana: „Frau, was willst du von mir? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!“ Und wie die Mutter – nach dem Johannesevangelium –  am Anfang des öffentlichen Lebens steht, so steht sie auch am Ende seines Lebens unter dem Kreuz: „Frau, siehe, da ist dein Sohn!“

Von Anfang an hat die Mutter die Passion des Messias teilen müssen –  bis in die Einsamkeit des Kreuzes, bis in die Einsamkeit des Todes ihres Sohnes. „Siehe, ich bin die Magd. des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort.“ –  Was diese Bereitschaft des Glaubens bedeu­tet, erfährt sie in der ganzen Bitternis erst jetzt.

Aber sie steht zu diesem Wort! Diese Mutter hat den Mut, den geschlagenen und geschundenen Leichnam ihres Sohnes anzufassen und zu tragen; sie hält ihn! Fast ermutigend und vertrauend legt sie ihre Hand auf die erstarrten Knie. „Mir geschehe nach deinem Wort!“

Sie bekennt sich zu ihrem Sohn, sagt ja zu dem Ge­kreuzigten – und zu seinem Kreuz. Und sie ist nicht zusammengesunken, verzweifelt. Sie hält den Leichnam ihres Sohnes; aufrecht sitzt sie da: trotz aller Trauer – Hoffnung. Trotz den Schmerzes - Ruhe. Der Tod ihres Sohnes kann nicht das Ende sein.

Und ihr trauriger Blick geht in die Weite, gleich­sam gehorsam dem Wort ihres Sohnes: „Frau, da ist dein Sohn.“ Ich bin gemeint. - Ich bin gefragt vor diesem Bild nach meinem Glauben. Glauben ist: tun, wie Maria ge­tan hat.

Zu Christus gehören, dem Gekreuzigten; ihn annehmen, ihn ergreifen in der Einsamkeit meines schweren Le­bens – in der Krankheit, beim Tode eines lieben Menschen, in einer ausweglosen Situation.

Glauben ist: tun wie Maria getan hat: Sich unter dem Kreuz und gerade unter dem Kreuz Jesu verbunden wis­sen mit vielen anderen – seinen Brüdern und Schwester.

Glauben – das ist: Nicht verzweifeln, sondern hof­fend wider alle Hoffnung Gott das Menschen-Unmög­liche zutrauen.

„Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“ –

„Ich bin die Magd des Herrn.“ –

„Mir geschehe nach deinem Wort!“ –

„Frau, da ist dein Sohn.“ –

Da sagte Jesus zur Mutter: „Frau, da ist dein Sohn!“ –

Dann sagte er zu dem Jünger: „Da ist deine Mutter!“

Sehe ich in ihr meine Mutter – die Mutter aller Glaubenden?

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